Jung, dynamisch, vielseitig : das Goethe-Institut Marseille

Ein Besuch im Büro des Instituts in der Friche la Belle de Mai

Ein Besuch in der Friche la Belle de Mai hat uns Einblicke in die Organisation des Kulturprogramms des Goethe-Instituts Marseille ermöglicht. Im Gespräch mit Sonja Preu konnten wir die Besonderheiten des Instituts und den beruflichen Werdegang der Kulturreferentin kennenlernen.

Das Goethe-Institut gibt es bereits seit 70 Jahren. Als weltweit tätiges Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland fördert es mit seinen 157 Instituten sowohl das Erlernen der deutschen Sprache im Ausland sowie auch die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Über Kulturveranstaltungen in den Bereichen Film, Tanz, Theater, Ausstellungen, Literatur und Übersetzung vertritt das Goethe-Institut aktuelle deutsche Tendenzen in der Welt und fördert so auch den internationalen Diskurs zu Schlüsselthemen unserer globalisierten Gesellschaft. Die einzelnen Institute organisieren dabei ihr eigenes Kulturprogramm und passen dieses, auch in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, den Bedürfnissen ihres Umfelds an. Mehrere Leitlinien verbinden die verschiedenen Institute bei ihrer kulturellen Arbeit im Ausland. Die Programmpunkte der Institute thematisieren die Schwerpunkte Nachhaltigkeit, Inklusion, Digitalisierung und urbaner Raum und wollen hierbei einem Anspruch auf Innovation gerecht werden.

Im kleinen Team zum eigenen Kulturprogramm

In Frankreich gibt es acht Goethe-Institute in den großen Städten des Landes verteilt. Das Goethe-Institut Marseille wurde zum Kulturhauptstadtjahr wiedereröffnet und bildet hierbei ein Satellitenbüro, es ist dem Goethe Institut Lyon zugehörig und bietet auch keine Sprachkurse an. Das kleine Team aus drei Personen im Süden Frankreichs organisiert jedoch ein eigenes hausgemachtes Kulturprogramm in Marseille und Umgebung – und setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Sonja Preu ist seit August die Kulturreferentin des Instituts, in Stellvertretung für Stéphanie Krämer, und arbeitet derzeit zusammen mit der Volontärin Bernadette Kiekenbeck und einer Praktikantin. Ein Praktikum dauert hier in der Regel ein bis zwei Monate, ein Volontariat ein ganzes Jahr. Das aktuelle Team ist sehr jung, denn auch Frau Preu hat als Programmkoordinatorin ihre erste Jobstelle nach dem Masterstudium angetreten.

Foto : Sonja Preu und Bernadette Kiekenbeck stellen uns das Goethe-Institut Marseille vor

Als junge Studentinnen in einem deutsch-französischen Masterprogramm wollten wir natürlich wissen, wie man zu einem Job im Goethe-Institut kommt. Sonja Preus Bildungsweg interessierte uns sehr, denn ohne einen deutsch-französischen Studiengang zu absolvieren, hat Frau Preu mit Eigenengagement in deutschen und französischen Universitäten studiert. Ihr Studium brachte sie nach Bayreuth, Aix-en-Provence, Frankfurt und Lyon. Ihr fachliches Spektrum ist nicht weniger divers als die Städte und reicht von der Musikwissenschaft über die Theater-, Film- und Medienwissenschaft bis hin zu arts de la scène et du spectacle vivant. Erste Berufserfahrungen spielten in ihrer Ausbildung natürlich eine wichtige Rolle. Nach Praktika in Theatern und im Bereich der Museumspädagogik, machte sich Sonja Preu über das Institut français und später das Goethe-Institut Lyon mit der interkulturellen Arbeit vertraut.

Kooperation mit lokalen Partnern und ein stetig wechselndes Publikum

Bei unserem Treffen in den Räumen des Goethe-Instituts in der Friche la Belle de Mai, konnten wir uns bei einem gemeinsamen Kaffee über die Besonderheiten des Marseiller Instituts unterhalten und über die Möglichkeiten, sich in das Programm einzubringen.

Der kulturelle Dialog mit der Umgebung ist sehr wichtig. Denn eine Besonderheit des Marseiller Büros ist die starke Kooperation mit lokalen Partnern wie zum Beispiel dem printemps de l’art contemporain, dem FRAC oder dem centre franco-allemand de Provence. Die Kooperationen sind einerseits auf finanzieller Ebene, andererseits in der konkreten Veranstaltungsplanung wie der Kommunikation, der technischen Vorbereitung und der Moderation. Frau Preu erklärt uns, dass es hierbei wichtig ist, auch mit renommierten Partnern zusammenzuarbeiten, um das zukünftige Budget des Kulturprogramms zu beeinflussen. Die Finanzierung der Veranstaltungen erfolgt jedoch nicht nur über die Zentrale der Goethe-Institute und Fördermittel des Auswärtigen Amts, sondern auch über verschiedene Fonds und Fördermittel der Region.

Eine weitere Besonderheit des Goethe-Instituts Marseille ist sein Publikum. Während kulturelle Einrichtungen oft auf ein gewisses Stammpublikum zurückgreifen können, wird das Publikum dieses Sattelitenbüros für jede Veranstaltung neu konzipiert. Ein Grund dafür liegt sicher auch in der Tatsache, dass das Institut über keine eigenen Veranstaltungsräume verfügt. Auch das Publikum hängt insofern eng mit den Partnerschaften zusammen.

Das Goethe-Institut Marseille bietet auch Residenzen für Künstler an, die zum Beispiel der Recherche für Projekte vor Ort dienen. Solche Residenzen sind kostspielig und müssen genau geplant und mit dem Budget abgestimmt werden. Verschiebungen, wie beispielsweise durch die Corona-Pandemie, sind daher kompliziert.

Die Nachfrage ist groß, die Praktikumsplätze rar. Wie kann ich mich in Projekte des Goethe- Instituts einbringen ?

Auch Außenstehenden ist es möglich, sich in Projekte des Goethe-Instituts Marseille einzubringen. Neben Praktikumsplätzen und einer Volontariatsstelle kann man sich zum Beispiel durch Projektvorschläge einbringen. Hierbei ist jedoch eine lange Vorlaufzeit in der Planung zu berücksichtigen. Nicht nur für Praktikumsplätze muss man sich bereits im Vorjahr bewerben, auch das Kulturprogramm wird ein Jahr im Voraus geplant. Für 2021 stehen somit schon alle Projekte. Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, sich einzubringen : über Projektstellen als Assistenz für bestimmte Projekte ist das Fachwissen Außenstehender gerne gefragt.

Ein Büro an einem besonderen Ort : La Friche la Belle de Mai

Bei unserem Besuch des Goethe-Instituts konnten wir zugleich auch einen besonderen Ort der Kultur in Marseille näher kennenlernen. Die Friche la Belle de Mai, in den Räumen einer ehemaligen Tabakfabrik, beherbergt heute 70 Akteure, sie sich durch die Nachbarschaft auch untereinander vernetzen. So kann das Goethe-Institut zum Beispiel einmal im Jahr Räume für eine Ausstellung mieten oder kulturelle Veranstaltungen auf der Dachterrasse des Gebäudes organisieren. Bei unserem Besuch gab es zwar keine eigene Ausstellung, aber im Gebäude gibt es immer volles Programm. So hatten wir die Freude, zusammen die Ausstellung „Street trash“ anzuschauen. Hierbei erwies sich uns auch die zweitgrößte Stadt Frankreichs als kleine Welt. Die Kulturvermittlerin der Friche la Belle de Mai ist selbst Alumna unseres Marseiller Studiengangs und vermittelte uns neben der Kunstwerke auch zukünftige Berufsperspektiven. Unser Vormittag mit dem Goethe-Institut Marseille ging schnell vorbei und bereicherte uns mit vielen inspirierenden Gesprächen. Wir danken dem Team sehr herzlich für die für uns genommene Zeit und die ermöglichten Einblicke in die Herausforderungen der Programmkoordination.

 

 

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Je suis diplômée du double master franco-allemand en médiation culturelle des arts (promotion 2020) et actuellement, je travaille chez ARTE à Strasbourg.

Avant de commencer ce parcours, j’ai suivi une double licence franco-allemande dans le cadre du programme de l’Université Franco-Allemande en Culture européenne des médias à la Bauhaus Universität Weimar et en Information-Communication à l’Université Lumière Lyon 2. Ce cursus m’a permis de m’immerger dans deux cultures et m’a donné envie de continuer à vivre en France et en Allemagne.

J’aime beaucoup la photographie, aussi bien son côté pratique que son côté théorique. Les manières dont est exposé ce medium m’intéressent tout particulièrement. À travers la médiation culturelle, j’aimerais lier ces intérêts et me spécialiser dans la médiation culturelle de projets photographiques.

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