Taking part in arts and culture - Konferenz 2021

Freitag, 8. Oktober 2021

Kulturvermittlung im Plural gestalten

Vom 7. bis 9. Oktober 2021 fand an der Aix-Marseille Université eine Tagung mit dem Titel "Taking part in arts and culture. Practices, theories and policies in today’s cultural mediation" statt. Gestaltet und bereichert wurde dieses innerfachliche Zusammentreffen nicht nur durch die zahlreichen Beiträge aus dem Fachbereich an der Aix-Marseille Université, sondern durch die Teilnahme von Universitäten, Forscher:innen und Studierenden aus ganz Frankreich, Europa, und sogar aus Québec und Niger. Eine einzigartige Gelegenheit also, nicht nur den Status Quo der internationalen Kulturvermittlung festzuhalten, sondern auch, Anschluss zu finden an aktuelle und meist transdisziplinäre Diskurse. Eine zentrale Frage stellte hier vor allem am Freitag, den 8. Oktober, diejenige nach der Pluralität und der innerhalb der Kulturvermittlung operierenden Machtstrukturen dar.

Die Theorie – safe spaces werden zu brave spaces }

Wie in zahlreichen anderen Bereichen stellt sich die Frage nach der Vielfalt der Perspektiven und Stimmen auch in der Kulturvermittlung. Die erste Konferenzteilnehmerin, die diese Frage aufgriff und sie gleichzeitig aus einem intersektionalen Blickwinkel heraus betrachtete, war zu Beginn des zweiten Konferenztages Carmen Mörsch, Professorin für Kunstdidaktik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Im Zentrum ihrer Überlegungen steht das Konzept der Critical Diversity Literature sowie dessen praktische Umsetzung in zeitgenössischen Museen und Galerien. Mit dem Ziel, die Reproduktion gesellschaftlicher Machtstrukturen innerhalb kultureller Institutionen zu vermeiden und zu verändern, rief Carmen Mörsch in ihrem Vortrag dazu auf, durch die Hinterfragung dreier Elemente – dem Inhalt, der Methoden und der Institutionen – zu einem Paradigmenwechsel beizutragen. So schlug sie den Konferenzteilnehmenden vor, die gegenwärtigen Funktionsweisen intersektionaler Kontexte, zum Beispiel die der safe spaces – also der Räume, innerhalb derer marginalisierte Communitys sich frei und geschützt über ihre Erfahrungen austauschen können – in sogenannte brave spaces zu verwandeln. Darunter versteht sie Kulturinstitutionen, die zu Orten werden können, innerhalb derer Episteme, Diskurse und Perspektiven frei zirkulieren können und gleichzeitig eine Dekonstruktion gesellschaftlicher Machtstrukturen stattfinden kann.

Die Methode – (Sprach)Räume überlassen und teilen

So stellt sich anschließend die Frage danach, in welcher Art und Weise die theoretische Forderung nach brave spaces innerhalb zeitgenössischer Kultureinrichtungen anhand von Praxisbeispielen umgesetzt und gestaltet werden kann. In ihrem Vortrag „Who is talking ? Multi-voice in participatory pratices“, bringt Émilie Sitzia, Professorin für Kunst- und Literaturgeschichte an der Universität Maastricht, die Verantwortung von Museen und anderen Kulturinstitutionen zum Ausdruck, zu hinterfragen, wie Prozesse kollaborativen Arbeitens gestaltet und wie institutionelle Autorität mit denjenigen Communitys geteilt wird, mit denen zusammengearbeitet wird. Hier weist Émilie Sitzia insbesondere auf die Notwendigkeit hin, Spannungen und Konflikte, die im Verlauf eines kollaborativen Arbeitsprozesses in Erscheinung treten können, zu akzeptieren, einen wahrhaften Wissensaustausch zu gewährleisten sowie die Wichtigkeit einer geselligen Arbeitsatmosphäre anzuerkennen (O-Ton : „Food – always !“).
Isabelle Zinsmaier, Doktorandin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Mitglied des Kollektivs zaungäste, warnt vor möglichen Fallen in solchen Prozessen der institutionell-gemeinschaftlichen Zusammenarbeit : Insbesondere hebt sie die Gefahr hervor, Gemeinschaften und Gruppen zu stereotypisieren, die Kultureinrichtungen und Institutionen möglicherweise eingehen, wenn sie mit diesen zusammenarbeiten möchten. Um Mechanismen der Ausschließung und des Othering zu vermeiden und einer Reproduktion gesellschaftlicher Machtstrukturen zu entgehen, schlägt sie vor, Projektaufrufe und -vorschläge, die bestimmte Communitys definieren, diskriminierungskritisch zu analysieren, und dies sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

Diese aufschlussreichen Theorien und Praktiken haben nicht nur den zweiten Tag der Konferenz geprägt, sondern auch uns als Konferenzteilnehmende selbst und unser Verständnis von Kulturvermittlung. Auch über diese drei Konferenztage hinausgehend werden diese Denkanstöße sicherlich dazu führen, dass wir unsere Arbeitsweisen und unsere gegenwärtigen und zukünftigen Projekte dahingehend hinterfragen.

Article réalisé par Lea Frauenknecht


Le présent.

Coordinatrice de l’école doctorale Performing Sustainability – Cultures and Development in West Africa à l’Institut de politiques culturelles de l’Université de Hildesheim. Remplaçante dans la direction du Center for World Music de l’Université de Hildesheim (Octobre 2023 – Mars 2024).

Le passé.

Étudiante du double master en médiation culturelle des arts/ Kulturvermittlung (octobre 2020 – octobre 2022). Étudiante assistante dans la gestion de projets au Green Office à l’Université de Hildesheim et étudiante ambassadrice du PAD (Pädagogischer Austauschdienst).

Scolarité au Bade-Wurtemberg, service civique au Centre Culturel Français de Kiel, double licence en études interculturelles franco-allemandes/Deutsch-französische Literatur- und Kulturstudien à la Freie Universität Berlin et à l’Université Sorbonne Nouvelle (Paris 3) et séjour à Montréal (Québec) en tant qu’assistante de langue allemande.

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