Die Kurse an der Universität Hildesheim unterschieden sich in Vorlesung, Seminar und Übung und dauern in der Regel 1,5 Stunden lang. Der gesamte Fachbereich 2 Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation ist auf einem Campus etwas außerhalb der Stadt auf einem wunderschönen alten Burggelände untergebracht, der Domäne Marienburg. Der Campus beherbergt drei kulturwissenschaftliche Bachelor- und drei Masterstudiengänge, von denen einer der deutsch-französische Doppelmaster Kulturvermittlung ist. Da sich alle sechs Studiengänge untereinander sehr ähneln kommt es oft vor, dass sich Studenten verschiedener Studiengänge und Semester in den Kursen treffen. Das führt auch dazu, dass man innerhalb seines Studiums in Hildesheim unter Umständen sehr viele verschiedene Dozierende haben kann. Das Wahlangebot im Fachbereich 2 ist riesig. Zwar muss man während seines Studiums sogenannte Module mit thematisch passenden Kursen füllen, aber grundsätzlich hat man sehr viel Freiheit, Kurse nach seinen persönlichen Interessen zu wählen. Auch kann man sein Studium zeitlich sehr frei einteilen. Ein Studium an der Domäne folgt also keinem linearen Aufbau, sondern hängt ganz von persönlichen Entscheidungen ab. Das kann, je nach Persönlichkeit, belastend sein oder aber große Freiheiten bedeuten. Eine inhaltliche Besonderheit der kulturwissenschaftlichen Studiengänge an der Domäne ist deren Fokus auf populäre Kultur. Der kulturwissenschaftliche Fachbereich beschäftigt mit seinem Institut für populäre Kultur das einzige seiner Art in Deutschland. In diesem werden populäre Phänomene wie Wrestling, Rudelsingen oder Serien aus kulturwissenschaftlichem Standpunkt aus erforscht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf interdisziplinären Kursen, die zum Teil sehr spezialisiertes Wissen vermitteln. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Seminare über digitalen Kapitalismus, Kulturvermittlung in der DDR oder zeitgenössische arabische Philosophinnen angeboten. Ein weiteres wichtiges Merkmal an der Domäne ist, dass das Ausüben von ästhetischer Praxis, also das eigenständige Praktizieren von Kunst in den Sparten Musik, Medien, Literatur, Theater und bildende Kunst, von den Studierenden gefordert wird. In etlichen Übungen werden grundsätzliche Fähigkeiten wie Videoschnitt, kulturjournalistisches Schreiben oder Chorleitung vermittelt. Die erworbenen Fähigkeiten sollen dazu dienen, sich im späteren Berufsleben besser in die Künstler und das Kunstwerk hineinversetzen zu können. Die technischen Voraussetzungen zum künstlerischen Ausprobieren sind auf jeden Fall gegeben : Unter anderem eine Theaterbühne, ein Fotolabor, Computerräume und unzählige Instrumente befinden sich auf dem Campus und in der Stadt verteilt. Im alle vier Semester stattfindenden Projektsemester finden sich die drei Bachelorstudiengänge drei Tage die Woche in Projektgruppen zusammen, um sich theoretisch und künstlerisch einem vorgegebenen Thema anzunähern. Die Masterstudierenden können sich als Tutoren miteinbringen.
Die freie Art zu Studieren und das hohe Maß an Individualisierung ist sicherlich ein Grund dafür, warum die sechs kulturwissenschaftlichen Studiengänge an der Domäne Marienburg von den Studierenden so geschätzt werden. Wer nicht viele Vorgaben benötigt, gerne eigenverantwortlich arbeitet und gut Entscheidungen treffen kann, die die eigene Zukunft betreffen, ist hier definitiv gut aufgehoben. Was das Studium zudem ausmacht ist, dass Kultur auch immer in einer politischen Dimension gesehen wird, dass Kultur also als Spiegel der momentanen Gesellschaft viele grundsätzliche gesellschaftliche Fragen stellt und auch beantworten kann. Selbstreflexion, kritischer Umgang mit kulturellen und gesellschaftlichen Fragen und ein möglichst weites Weltbild sollen vermittelt werden. Auch spielt in den Seminaren das Diskutieren in der Gruppe eine wichtige Rolle. Mehr als in Marseille steht so auch das Lernen von Mitstudierenden und das Entwickeln eigener Standpunkte und Argumentationen im Vordergrund.